Ableger ziehen: So vermehrt ihr eure Pflanzen richtig!

Eigentlich versuche ich ja, immer mal wieder ein paar Basic-Pflanzen-Themen abzuarbeiten, damit ich euch zumindest die grundlegenden Fragen rund um das Thema Pflanzen beantworten kann und ihr direkt loslegen könnt. Wozu jedoch mit die meisten Fragen kommen, die ich bisher noch gar nicht thematisiert habe, ist das Thema „Ableger ziehen“. Deswegen zeige ich euch heute, was überhaupt unter den Begriffen „Ableger“, „Steckling“ usw. zu verstehen ist, welche Methoden der Pflanzenvermehrung es gibt und wie ich für die Bewurzelung vorgehe. Ich hoffe, ich kann euch damit ein wenig weiterhelfen und ihr habt bald ganz viele Babys von euren Lieblingspflanzen – von denen kann man doch schließlich niemals genug haben!

Ihr habt keine Zeit, den Artikel zu lesen? Kein Problem! Hier findet ihr mein ausführliches Video zum Thema Ableger ziehen:

1. Was versteht man unter Ableger, Steckling und Co.?

Ich gebe es zu: Sobald ich mich näher mit Pflanzen beschäftigt habe, kam ich mit den Begrifflichkeiten rund um die Pflanzenvermehrung überhaupt nicht zurecht. Was ist der Unterschied zwischen einem Ableger und einem Steckling? Gibt es überhaupt einen oder werden die beiden Begriffe synonym genutzt? 

Deshalb möchte ich euch diese Grundinfo auf jeden Fall auch weitergeben, selbst wenn es für euch gegebenenfalls nichts Neues ist: Grundsätzlich handelt es sich bei Ablegern um natürliche Triebe, die von der Mutterpflanze zum Zweck der Vermehrung gebildet werden. Es handelt sich dementsprechend um eine „komplette“ Pflanze.

Bei einem Steckling werden jedoch Teile der Mutterpflanze abgeschnitten, die sodann selbstständig bewurzeln müssen.

Info: Die Begrifflichkeiten werden oftmals durcheinander geworfen und auch ich halte mich nicht immer strikt daran, muss ich zugeben. Oftmals wird der Begriff „Ableger“ auch als Überbegriff für alle gängigen Pflanzenvermehrung-Methoden verwendet, was ich auch in diesem Artikel tue, obwohl es streng genommen nicht ganz richtig ist.

2. Was muss ich beim Ziehen von Ablegern beachten?

Ehe ich auf die genauen Möglichkeiten beim Ziehen von Ablegern eingehe, möchte ich euch jedoch kurz einige Tipps an die Hand geben, die ihr grundsätzlich beachten solltet. Wenn die Pflanzenvermehrung gelingen soll, ist es unter anderem wichtig, die richtigen Utensilien zu verwenden und den passenden Zeitraum zu wählen.

Welche Utensilien brauche ich, wenn ich Ableger ziehen möchte?

Wichtig ist immer, mit sauberem Werkzeug zu arbeiten. Desinfiziert unbedingt die Gegenstände, mit denen ihr arbeiten möchtet, um keine Krankheiten auf die Pflanze zu übertragen. 

Ich empfehle folgende Utensilien:

  • Ein scharfes Messer oder eine Gartenschere (beides immer vorab desinfizieren!)
  • Eine kleine Vase, in die der Ableger hineingesetzt wird; wahlweise auch ein Topf mit Anzuchterde
  • Etwas Zimt oder Wachs 
Utensilien für Ableger ziehen
Zum Ziehen von Ablegern sind ein paar wenige Utensilien notwendig.

Seht am besten von gewöhnlichen Haushaltsscheren zum Schneiden von Ablegern ab. Diese drücken den Stiel der Pflanze zusammen, wodurch es zu Beschädigungen kommen kann, von denen sich die Pflanze nur schwer oder gar nicht erholt. Ich selbst nutze immer ein scharfes Messer.

Wenn ihr die Bewurzelung des Ablegers im Wasser bevorzugt, empfehle ich kleine Vasen, die sich nicht nach oben verjüngen, sondern über die gesamte Fläche hinweg einen recht breiten Durchmesser haben. Grund dafür ist, dass schmale Öffnungen das Herausnehmen der Pflanze erschweren, sobald es zu einer Bewurzelung gekommen ist. Glaubt mir, ich kann ein Lied davon singen, wie lange man braucht, sie zu entnehmen, ohne die unzähligen Wurzeln zu beschädigen. Am liebsten mag ich hier noch immer ein ganz normales Wasserglas, muss ich zugeben. Es kommt hierbei aber natürlich auch auf die Größe eures Ablegers an und ob dieser im entsprechenden Gefäß einen guten Halt findet.

Vasen für Ableger
Für Ableger solltet ihr euch einen Vorrat an kleinen Vasen anlegen (ich empfehle diejenigen, die sich nicht (stark) nach oben hin verjüngen).

Zur Versiegelung der Schnittstelle nutze ich nicht selten Zimt, was antibakteriell wirkt. Hierfür streue ich einfach ein wenig über die offene Schnittstelle, die ich im Anschluss trocknen lasse, ehe ich die Pflanze in das Behältnis meiner Wahl gebe. Alternativ nutze ich auch nach dem Trocknungsvorgang Wachs zur Versiegelung. Dafür genügt einfaches Kerzenwachs eines Teelichts: Ich zünde dieses an, warte, bis das Wachs flüssig ist, puste die Kerze aus und träufle das Wachs über die Schnittstelle. Solange es noch weich ist, lässt es sich nach Belieben verformen, sodass ihr die komplette Schnittstelle versiegeln und somit vor jeglichem Gammeln bewahren könnt. Das hat meine Pflanzen schon wirklich oft gerettet!

Wann ist der richtige Zeitpunkt, Ableger zu ziehen?

Ich würde für die Pflanzenvermehrung immer die Wachstumsphase, also in etwa ab April bis September empfehlen. Grund dafür ist, dass die Pflanzen zu dieser Zeit die besten Ausgangsbedingungen haben: Ausreichend Licht und Wärme sind essenziell, damit die Bewurzelung vorangetrieben wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass aus eurem Pflanzenableger etwas wird, ist in dieser Zeit deutlich höher als im späten Herbst und Winter. 

3. Methoden der Pflanzenvermehrung

Grundsätzlich solltet ihr vorab wissen, dass nicht jede Möglichkeit zum Ziehen von Ablegern bei jeder Pflanze möglich ist. Es kommt hierbei gewissermaßen auf den genauen „Aufbau“ an. Im Folgenden möchte ich euch ein paar Methoden vorstellen, von denen ich einige bereits selbst ausprobiert habe.

Die Vermehrung über Stecklinge

Eine der einfachsten Methoden ist aus meiner Sicht die Vermehrung über Stecklinge. Hierfür wird ein paar Zentimeter unterhalb der Blattknoten einer Pflanze geschnitten. Je nachdem, welchen Bereich der Pflanze ihr schneidet, spricht man von Kopf- oder Stammstecklingen.

Der Kopfsteckling bildet den obersten Bereich der Pflanze: Wenn ihr also einen Ableger von einer Pflanze macht und hierfür am ersten Blattknoten von oben (wahlweise auch am zweiten oder dritten, je nachdem, wie viele Blätter ihr haben möchtet) schneidet, habt ihr einen Kopfsteckling. Teil dessen ist demnach immer die Triebspitze.

Philodendron Kopfsteckling
Der Philodendron Camposportoanum kann zu einem Kopfsteckling und mehreren Stammstecklingen geteilt werden.

Nachdem ihr diesen oberen Part der Pflanze geschnitten habt, könnt ihr jedoch weitere Stecklinge bilden, indem ihr unterhalb der darauffolgenden Blattknoten schneidet. Bei diesen weiteren Teilen spricht man sodann von sogenannten Stammstecklingen.

Diese Methode bietet sich vor allem für Philodendren und Monsteras an: Die Blattknoten sind hier auch sehr gut sichtbar. Vor allem bei hängenden Pflanzen wie zum Beispiel dem Philodendron Micans können die neu bewurzelten Stecklinge auch in den Topf der Mutterpflanze gesetzt werden, damit die Pflanze einer dichtere Optik erhält.

Philodendron Micans
Beim Philodendron Micans bietet es sich an, mehrere Stecklinge zu nehmen und diese für eine dichtere Optik in denselben Topf wie die Mutterpflanze zu setzen.
Wichtig hierbei ist: Entfernt auf gar keinen Fall die Luftwurzeln, wenn ihr Stecklinge geschnitten habt. Diese versorgen die Pflanze zum einen mit Nährstoffen, zum anderen bilden sich daraus die „echten“ Wurzeln. Je nach Pflanze kann es auch sinnvoll sein, die unteren Blätter zu entfernen, damit diese nicht im Wasser/in der Erde/im Moos hängen. Zudem entstehen aus den Blattknoten neue Wurzeln und die Pflanze kann sich auf das Wurzelwachstum fokussieren, anstatt weitere Energie in die Blätter zu stecken.

Darüber hinaus ist auch eine Vermehrung über Blattstecklinge möglich: Hierbei schneit ihr nicht unterhalb eines Blattknotens, sondern ihr schneidet lediglich das Blatt mitsamt einem Teil des Stiels ab. Möglich ist diese Form der Vermehrung beispielsweise auch beim Bogenhanf, bei dem die Blätter in mehrere gleich große Abschnitte geschnitten werden. Diese werden sodann meist direkt in Anzuchterde gegeben und bilden Wurzeln aus: Das Wachstum dauert hierbei verhältnismäßig lange.

Die Vermehrung über Kindel

Bei Kindel handelt es sich sozusagen um kleine Babypflanzen, die sich um die Mutterpflanze herum bilden. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Pilea: Wenn ihr den chinesischen Geldbaum habt, werdet ihr schon bald kleine Miniblätter feststellen, die um die Mutterpflanze angesiedelt sind. Wenn sie weiterwachsen, bildet sich ein hölzerner Stamm und die Anzahl an Blättern steigt. 

Pilea Kindel
Bei einer Pilea bilden sich um die Mutterpflanze herum kleine Babypflanzen.

Hier ist die Vermehrung auch sehr einfach, weil ihr lediglich den Stamm der Babypflanzen mit einem scharfen Wasser abschneiden müsst und ihn im Anschluss bewurzeln lassen könnt. Achtet darauf, dass ihr beim Stamm möglichst knapp über der Erde entlang schneidet.

Die Vermehrung über Wurzelteilung

Die Wurzelteilung bietet sich an, wenn ihr eure Pflanze ohnehin umtopfen müsst. Hierfür müsst ihr nämlich die Erde entfernen und die Pflanze in Wurzelteilstücke auftrennen. Achtet dabei darauf, dass jeder Part über eine Wurzelknolle verfügt. Ich persönlich habe diese Methode nocht nicht ausprobiert, weil sie mir zugebenermaßen gerade wegen der Entfernung der Erde zu umständlich ist.

Die Vermehrung über Rhizome

Manche Pflanzen bilden an den Wurzeln auch sogenannte Rhizome aus. Hierbei handelt es sich um Speicherorgane, die meist unter der Erde in Form eines Sprossachsensystems wachsen. Dieses wird dabei in mehrere kurze Stücke geteilt: Aus den Knospen können neue Pflanzen entstehen.

Die Vermehrung über Abmoosen

Hierbei wird Folie mithilfe eines Gummibandes um den Stamm knapp unterhalb eines Blattknotens (und damit auch den Luftwurzeln) gewickelt: In die geöffnete „Folientasche“ wird feuchtes Sphagnum Moos gefüllt, sodass die Luftwurzel von Moos bedeckt ist. Mit einem zweiten Gummiband wird die Folie dann auch am oberen Ende verschlossen. Durch die Feuchtigkeit direkt an der Luftwurzel entstehen daraus neue Wurzeln.

4. Wie wachsen Ableger am besten?

Ich habe bisher nur die gängigsten Methoden ausprobiert, bedeutet konkret: Ich habe meine Ableger bereits in Anzuchterde, Moos und Wasser gesetzt. Es gibt selbstverständlich noch mehr Möglichkeiten, doch zugegebenermaßen empfand ich dies bisher nicht als notwendig auszuprobieren, weil ich bisher sehr gut mit den gängigen Alternativen zurechtkomme.

Ableger in Wasser

Die für mich beste Methode ist und bleibt die Bewurzelung im Wasserglas. Diese empfehle ich auch immer wieder Anfängern: Das Gute daran ist schlichtweg, dass ihr genauesten beobachten könnt, wie sich die Wurzeln eurer Pflanze entwickeln oder ob etwas zu gammeln beginnt. So könnt ihr direkt intervenieren, wenn etwas schiefläuft.

Pflanzenableger in Wasser
Ich persönlich lasse meine Pflanzenableger am liebsten in Wasser bewurzeln.
Tipp: Manche empfehlen, das Wasser in eurem Gefäß täglich zu wechseln. Ich persönlich tue dies nicht, weil es auch immer Stress für die Pflanze bedeutet. Selbstverständlich sollte das Wasser nicht trüb werden – dann ist es höchste Zeit zu wechseln! – allerdings komme ich mit einem Wasserwechsel etwa alle 3 bis 4 Tage sehr gut hin. Achtet darauf, dass das Wasser immer Zimmertemperatur hat, also weder zu kalt noch zu warm ist. Ich würde darüber hinaus nicht empfehlen, euer Wasserglas mit dem Ableger auf eine Heizmatte zu stellen. Auch dies wird oftmals empfohlen, sollte aber meiner Meinung nach höchstens nur so lange genutzt werden, bis erste Wurzelansätze erkennbar werden. Danach würde ich die Heizmatte sofort entfernen, weil es sonst – nach eigener Erfahrung – schneller zu Wurzelfäule oder Krankheiten kommt. Für mich ist dies auch logisch, da es einfach nicht den natürlichen Bedingungen entspricht.

Ableger in Moos

Ich habe auch schon einige Ableger in Sphagnum Moos gesetzt, was es als festen Klotz zu kaufen gibt, der in Wasser eingeweicht werden muss. Viele kommen damit prima zurecht, für mich ist dort aber auch problematisch, dass ich das Wurzelwachstum nicht richtig beobachten kann, sofern sich die Wurzeln noch nicht ihren Weg durch das Moos gebahnt haben. Zudem finde ich es schwieriger, die Feuchtigkeit auf einem konstanten Level zu halten. Das Moos sollte nicht ganz austrocknen, aber auch nicht nass sein. Dementsprechend empfiehlt es sich, nicht zu gießen, sondern es regelmäßig einzusprühen. Doch auch hier hatte ich oftmals das Problem, dass dann beispielsweise nur die obere Schicht feucht, die untere jedoch staubtrocken war.

Ableger in Anzuchterde

Darüber hinaus könnt ihr eure Ableger in Anzuchterde (sehr wichtig, das Substrat sollte nämlich niemals vorgedüngt sein!) setzen. Auch hier ist keine Kontrolle des Wurzelwachstums möglich und ich habe bereits so viele Leute dabei beobachten können, die regelmäßig ihre Ableger ausgraben, um zu überprüfen, ob sich bereits etwas verändert hat. Auch ich bin ein kleiner Kontrollfreak und nehme von dieser Methode deshalb lieber Abstand: Das ständige Checken nach neuen Wurzeln stresst die Pflanze zusätzlich. Falls ihr nicht zwingend nachsehen müsst, bleibt darüber hinaus das Problem bestehen, dass ihr jegliche Fäulnis gegebenenfalls zu spät entdeckt.

5. Ab wann kann ich Ableger eintopfen und was sind die richtigen Bedingungen für weiteres Wachstum?

Ich setze meine Ableger meist dann in Erde, wenn sich die Wurzeln mindestens einmal verzweigen. Ich achte darüber hinaus immer darauf, wie groß der Ableger ist und ob die Wurzeln größentechnisch in etwa in einem guten Verhältnis dazu stehen. 

Ab diesem Zeitpunkt gebe ich den Ableger in Anzuchterde beziehungsweise nicht vorgedüngte Hydrokultur wie beispielsweise Vulkatec. Wichtig ist selbstverständlich auch ein neuer oder gründlich gereinigter Topf, sodass keine Krankheiten anderer Pflanzen übertragen werden können. 

Philodendron Ableger

Wichtig ist dann natürlich auch, dass ihr möglichst gute Grundbedingungen schafft, die das weitere Wachstum vorantreiben. Dazu zählen:

  • Ausreichend Licht
  • Wärme
  • Hohe Luftfeuchtigkeit (beispielsweise durch regelmäßiges Besprühen oder durch das Platzieren in einem Terrarium oder Gewächshaus)

Ich hoffe, ich konnte damit ein wenig Licht ins Dunkle bringen und euch beim Ziehen von Ablegern helfen. Mir macht es sehr viel Spaß, meine Pflanzen zu vermehren, sei es um sie zu verschenken, zu verkaufen oder meine Lieblinge mehrfach in meiner Wohnung platzieren zu können.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren!

Eure Sybi

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