Nastassja Martin: An das Wilde glauben Rezension

Ein Buch, das von einer Frau handelt, die von einem Bären in den Kopf gebissen wird: Was sich im ersten Moment reißerisch anhört, ist pure Realität. Der französischen Autorin Martin ist genau das passiert und ich wollte unbedingt wissen, was ihr dünnes Büchlein für mich als Leserin bereithält. Das Buch umfasst 139 Seiten und erschien am 18. März 2021 im Matthes & Seitz Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

Nastassja Martin An das Wilde glauben Rezension

Die Handlung

Auf einer Forschungsreise wird die französische Anthropologin Nastassja Martin von einem Bären in den Kopf gebissen und schwer verletzt. In ihrem dünnen Büchlein erzählt sie von eben dieser Situation, ihrem Heilungsprozess in russischen und französischen Krankenhäusern, von der Medizin und Heilkunst, der Beziehung zwischen Mensch und Tier sowie von ihrem Platz in der Welt.

Ihr habt keine Zeit, die Rezension zu lesen? Dann schaut und hört euch gerne den Part meines Lesemonats April an, in dem ich über An das Wilde glauben spreche:

Meine Meinung

Es fällt mir schwer, dieses Buch einem bestimmten Genre zuzuordnen, allerdings denke ich, dass es einer Einteilung auch nicht immer um jeden Preis bedarf. 

Beim Lesen hatte ich teilweise das Gefühl, in einem Tagebuch zu blättern, so nah wirkte mir Martins Gedanken- und Gefühlswelt. Es handelt sich hier aber nicht um datierte einzelne Einträge, die chronologisch erfolgen, sondern vielmehr um kurze Abschnitte, die zum Teil im Jetzt, zum Teil in der Vergangenheit spielen und wild miteinander vermischt werden. Die Ich-Perspektive und schnörkellose Art und Weise, von ihren Erfahrungen zu berichten, ermöglichte es mir, direkt einen Zugang zur Geschichte zu erhalten und einzutauchen. 

Eine zentrale Rolle in dem Buch spielt die Vermischung zwischen Mensch und Tier. Indem sie von dem Bären angegriffen wird, findet eine Art Metamorphose statt, die sie zu einem Wesen macht, das weder ganz Mensch noch ganz Tier ist. Gerne hätte ich noch mehr über diesen Prozess beziehungsweise ihre Gedanken dazu gelesen.

Nach unzähligen Operationen in verschiedenen Krankenhäusern, die zum Teil mit sehr negativen Erfahrungen verbunden waren, kehrte Martin an den Ort des Geschehens zurück und kann ihre Vergangenheit verarbeiten und vor allem annehmen – ein für mich sehr faszinierender Schritt. Selbstverständlich spielen in diesem Zusammenhang auch ihre Erfahrungen und Ansichten als Anthropologin eine entscheidende Rolle, weswegen ich es umso spannender fand, ihre Herangehensweise und Gedanken zu erkunden.

Fazit

Da das Büchlein so schmal ist, kann man gar nicht allzu viel dazu sagen: Für mich steckte allerdings eine ganze Menge darin. Martin beweist für mich mit diesem Buch unfassbare Stärke sowie Ehrlichkeit und vermittelt dem Leser eine Denk- und Herangehensweise, die horizonterweiternd ist und zum Nachdenken anregt. Ich kann das Buch demnach wärmstens empfehlen: Es zieht nicht nur aufgrund seiner Kürze, sondern auch aufgrund des Inhalts sehr in seinen Bann.

Eure Sybi

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