Hiromi Goto: Chor der Pilze Rezension

Wenn in einem Buch Themen wie Kultur, Identität, Rassismus, Generationenkonflikte und Feminismus abgedeckt werden sollen, bin ich zum einen skeptisch, zum anderen aber auch neugierig. Aus diesem Grund fragte ich Hiromi Gotos Chor der Pilze beim cass Verlag an, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte. Das Buch umfasst 264 Seiten und erschien im September 2020.

Chor der Pilze Hiromi Goto Rezension

Die Handlung

Die Handlung des Buches ist schwer in wenigen Worten zusammenzufassen. Streng genommen handelt es sich bei dem Buch um ein autobiographisch angehauchtes Werk, in welchem Goto die Auswanderung ihrer Familie von Japan nach Kanada verarbeitet. Dabei werden drei Generationen abgedeckt, indem wir Leser die Tochter, Mutter und Großmutter begleiten.

Ihr habt keine Zeit, die Rezension zu lesen? Dann schaut euch den entsprechenden Part zum Buch in meinem Lesemonat April an:

Meine Meinung

Dieses Buch ist in meinen Augen auf vielen Ebenen absolut einzigartig: Beginnen wir mit der wundervollen Sprache Gotos, die sich über das gesamte Buch hinweg erstreckt. So ist das Thema Sprache und die Beziehung zu eben dieser nicht nur für die Protagonisten im Buch besonders wichtig, sondern auch Hauptmerkmal dieses Romans. Sie ist metaphorisch sowie poetisch und spricht alle Sinnesorgane des Lesers an: Ich konnte die beschriebenen Dinge förmlich sehen, schmecken und hören, was mir beim Lesen von Büchern äußerst selten passiert. Ehe ihr zu diesem Buch greift, müsst ihr euch darauf einstellen, dass Sätze oder einzelne Wörter in Japanisch vorkommen. Ich habe mir zugegebenermaßen nicht die Mühe gemacht, alles davon zu übersetzen, aber es hat meinem Lesefluss trotzdem keinerlei Abbruch getan – ganz im Gegenteil: Es hat mir sogar sehr gut gefallen. 

Ausgewählte Situationen zeigen auf, mit welchen Vorurteilen die aus Japan stammende Familie zu kämpfen hat und welchen Aussagen sie sich ausgesetzt fühlen. Der Umgang damit fällt unfassbar schwer und an mancher Stelle führt dieser Zustand beinahe schon zu einer Art Lähmung und Negierung der eigenen Herkunft und Kultur.

Ferner erfahren wir vieles über die Ziele und Sichtweisen der drei Generationen, die bisweilen unterschiedlicher nicht sein können. Können die Familienmitglieder Verständnis für das Handeln jedes Einzelnen aufbringen oder haben sie mit gewissen Entscheidungen zu kämpfen? Wo genau sind die Protagonisten verwurzelt, was ist ihre Heimat? All diese Fragen schneidet der Roman an, aber – sehr relevant – beantwortet diese nicht bis ins letzte Detail.

Und gerade dies ist ein entscheidender Aspekt: Als Leser bleibt es uns überlassen, uns eine Menge hinzuzudenken und zu interpretieren. Mich störte es in diesem speziellen Fall überhaupt nicht, obwohl ich ansonsten einer recht offenen Handlung in Büchern eher skeptisch gegenüberstehe. Ich finde es gut, dass wir selbst nachdenken und eigene Schlüsse ziehen müssen und denke sogar, dass man bei jedem erneuten Lesen des Buches wieder etwas anderes entdecken könnte, das man zuvor nicht gesehen hat. 

Fazit

Hiromi Goto ist mit diesem Buch nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich ein völlig anderer Roman gelungen als es diejenigen sind, die ich bisher gelesen habe. Poetisch erzählt, jede Menge Interpretationsspielraum bietend und trotzdem unfassbar wichtige Punkte thematisierend, die sehr aktuell sind. Ich spreche eine Empfehlung aus und wäre gerade bei diesem Buch unfassbar gespannt, was ihr dazu zu sagen habt.

Eure Sybi

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