Stephen Chbosky – Der unsichtbare Freund Rezension: Der neue Stephen King?

Von unzähligen Leuten bei Bookstagram und Booktube habe ich zu diesem Buch vor allem eines gehört: „Diese Geschichte erinnert sehr stark an Stephen King.“ Viele sprachen 2019 auch von einem absoluten Jahreshighlight. Nicht zuletzt deshalb war für mich klar, dass ich diesen Roman lesen muss. Der Heyne Verlag sendete mir auf meine Anfrage hin freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zu, wofür ich mich natürlich herzlich bedanken möchte! Das Buch erschien am 1. Oktober 2019 und umfasst 912 Seiten.

Stephen Chbosky Der unsichtbare Freund

Die Handlung

Christopher und seine Mutter Kate verlassen ihr ehemaliges Zuhause und finden eine neue Bleibe in dem beschaulichen Örtchen namens Mill Grove. Da es dort nur wenige Menschen gibt, fühlen sie sich sicher vor Christophers gewalttätigem Vater

Das kleine Dorf wird umgeben von einem riesigen Wald, der Christopher förmlich anzuziehen scheint. Kurz nach ihrer Ankunft verschwindet er und kehrt sehr viel später wieder zurück. Ab diesem Zeitpunkt verändert sich die Welt des Jungen und seiner Mutter schlagartig: Christopher scheint über völlig neue Talente zu verfügen, während seine Mutter unfassbares Glück hat. Doch was genau steckt hinter seinem Verschwinden und was hält seine Zukunft noch für ihn bereit?

Meine Meinung

Vorweg muss ich sagen, dass ich bei diesem Buch das Hörbuch zur Hilfe genommen habe: Dieses wird von David Nathan vertont, der mal wieder ganze Arbeit geleistet hat. Nach einem langen Tag freute ich mich schon darauf, die beruhigende Stimme zu hören und mich vollends auf die Atmosphäre, die in Mill Grove herrscht, einlassen zu können. Denn die war wirklich großartig: Allein aufgrund des Waldes herrschte eine dunkle, gruselige Atmosphäre, die perfekt in die Herbst- und Winterzeit passt.

Zu Beginn hatte mich die Geschichte noch ziemlich gepackt: Ich fand die Beziehung zwischen Christopher und seiner Mutter unheimlich schön und man konnte das Band zwischen den beiden förmlich spüren. Auch die Zeit seines Verschwindens löste in mir Neugier aus, ich wollte unbedingt wissen, was mit ihm passiert ist. Ab der Mitte des Buches verlor die Geschichte für mich jedoch stark an Spannung. Ich hatte das Gefühl, viele Wiederholungen zu lesen, sodass ich nicht selten gelangweilt war. Irgendwann war es sogar so extrem, dass ich gar nicht mehr wissen wollte, wie es weitergeht. Aus meiner Sicht hätten dem Buch so einige (hundert) Seiten weniger ganz gut getan.

Der Schreibstil von Chbosky war hingegen sehr besonders und metaphorisch, was mir gut gefallen hat. Gerade dass er durch seine ausufernde Erzählung das große Potenzial der Geschichte und sein Schreibtalent aus meiner Sicht vergeudet hat, macht mich ein klein wenig traurig. Man hätte wirklich Großes daraus machen können.

Ob Der unsichtbare Freund nun Parallelen zu Stephen Kings Geschichten aufweist, würde ich eher mit einem „Nein“ beantworten. Ich könnte mir zwar gut vorstellen, dass King – inhaltlich betrachtet – einen solchen Roman schreibt, die Umsetzung wäre aber aus meiner Sicht eine andere gewesen. Kings Charaktere werden für gewöhnlich deutlich detailreicher beschrieben und bei ihm schwingen zahlreiche Ebenen und Botschaften mit, die wir als Leser auch auf die Realität übertragen können. Beides vermisste ich bei Chboskys Werk.

Auch wenn Der unsichtbare Freund als Roman deklariert ist, muss ich dazu sagen, dass die Geschichte einige Horrorelemente und ekelerregende Situationen beinhaltet. Wer so etwas überhaupt nicht mag, sollte es sich also besser zweimal überlegen, ob er mit diesem Buch starten möchte. Für mich war dies kein Punkt, den ich negativ bewerten würde, auch wenn die Elemente gefühlt (oder tatsächlich) verhältnismäßig abrupt auftraten.

Mein Fazit

Leider konnte Chboskys Werk nicht ganz meine Erwartungen erfüllen, auch wenn ich die zugrundeliegende Idee und seinen Schreibstil toll fand. Dementsprechend würde ich dem Autor auch eine weitere Chance geben und darauf hoffen, dass er seine Geschichten künftig nicht unnötig in die Länge zieht.


Eure Sybi

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