Shaun Bythell – Tagebuch eines Buchhändlers: Ehrlich und perfekt für die Herbsttage

Schottland und Bücher. Zwei der Dinge, die ich über alles liebe. Vollkommen klar, dass ich Shaun Bythells Tagebuch eines Buchhändlers unbedingt lesen musste, oder? Der festen Überzeugung, dass ich dieses Buch lieben werde, habe ich es beim btb Verlag angefragt und kurz darauf damit begonnen, es zu lesen. Es ist am 12. August 2019 erschienen und umfasst 448 Seiten.

Shaun Bythell Tagebuch eines Buchhändlers Rezension

Die Handlung

Tagebuch eines Buchhändlers ist – wie der Name bereits vermuten lässt – wie ein Tagebuch aufgebaut. Shaun Bythell, Eigentümer des größten Secondhand-Buchladens in Schottland (The Bookshop), hielt im Jahr 2014 Tag für Tag fest, mit welchen Kunden er Bekanntschaft machte, wie sich seine Angestellten verhielten und was den kleinen Ort Wigtown so besonders macht. Was sich anhört wie der Traum vieler, ist in der Realität allerdings oftmals nicht ganz so rosig, wie man es sich vorstellen mag. 

Meine Meinung

Tagebuch-Einträge geben natürlich den besten Einblick in den Alltag eines Buchhändlers, den man sich vorstellen kann. Und gerade diese Authentizität macht dieses Buch aus: Shaun beschreibt sehr ausführlich, wie schwer es ist, in Zeiten von Amazon mit einem eigenen Buchladen bestehen zu können und sagt den E-Book Readern, allen voran dem Kindle, den Kampf an.  Was er mit eben diesem Gerät gemacht hat und in welcher Form es sich dennoch im The Bookshop befindet, müsst ihr unbedingt nachlesen. Ich als Kindle-Besitzerin darf hier natürlich nicht allzu laut aufschreien (zumal ich meinen Kindle wirklich auch sehr liebe), allerdings hat Shaun mit seiner Kritik durchaus recht und es ist unheimlich interessant zu erfahren, mit welchen Schwierigkeiten Buchhändler aufgrund des Einflusses des Versandriesen konkret zu kämpfen haben. Wichtigste Message in diesem Buch war also schonmal: Unterstützt euren Buchhändler vor Ort!

Gerade der Tagebuch-Charakter macht das Buch allerdings auch an der einen oder anderen Stelle sehr zäh. Aufgrund des fehlenden Spannungsbogens ist es nichts, was man mal eben so „weglesen“ kann, finde ich. Es ist vielmehr eine reine Ansammlung von Geschehnissen, die sich Tag für Tag in Shauns Buchladen beziehungsweise in Wigtown abspielen. Dem muss man sich bewusst sein, wenn man dieses Buch lesen möchte. Gerade deshalb eignete es sich für mich jedoch perfekt dazu, immer mal wieder hineinzublättern, während ich größtenteils mit einem anderen Buch beschäftigt war.

Besonders amüsant fand ich Shauns Angestellte, die nicht selten einfach das tun, was sie gerade möchten und die Anweisungen ihres Chefs nicht beachten. Nichtsdestotrotz sind sie allesamt sehr besondere Charaktere, die durchaus liebenswert sind. Meine Lieblingsangestellte war Nicky: Was sie anbelangt, könnt ihr euch auf so einige Kuriositäten freuen, über die in Shauns Tagebuch berichtet wird. Auf der anderen Seite spielen natürlich auch Kunden eine ganz zentrale Rolle in Shauns Mitschriften. Ich war wirklich negativ überrascht, wie dreist manche Menschen eigentlich sein können: Dass Bythell gelegentlich fast durchdreht, mag ihm hier wirklich keiner verübeln. 

Der Schreibstil wirkte auf mich an einigen Stellen etwas hochgestochen. Er war zwar leicht verständlich, allerdings kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand so in ein Tagebuch schreibt. Allerdings hatte ich oftmals auch das Gefühl, dass es an der deutschen Übersetzung lag, sodass ich es gar nicht unbedingt negativ bewerten würde. Es wäre auf jeden Fall interessant, das Buch noch einmal auf Englisch zu lesen.

An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass Shaun noch ein wenig mehr ins Detail gegangen wäre. Es kam vor, dass er beispielsweise nur einen Satz a la „Heute habe ich Buch xy beendet.“ geschrieben hat. Dabei hätte mich vor allem bei ihm interessiert, was seine Meinungen zu den jeweiligen Büchern sind. Andererseits kann ich mir auch vorstellen, dass es andere Leser stören würde, sodass es vermutlich eine rein persönliche Schwierigkeit für mich war. An einigen wenigen Stellen ging Bythell allerding kurz darauf ein, was die Lektüre mancher Bücher mit ihm gemacht hat und so konnte ich meine Bücher-Wunschliste auch tatsächlich um zwei Titel erweitern, auf die ich mich sehr freue.

Nicht zuletzt muss ich natürlich auf die wundervolle Atmosphäre im schottischen Wigtown eingehen: Die Ortschaft hat nur etwa 920 Einwohner auf und sieht auf den Fotos einfach traumhaft aus. Für meinen nächsten Schottland-Aufenthalt steht sie mit ganz oben auf der Liste. Ein Traum wäre es natürlich, am jährlichen Wigtown Book Festival teilzunehmen, über das Shaun ebenfalls sehr ausführlich in seinem Buch erzählt.

Fazit

Mir hat Tagebuch eines Buchhändlers alles in allem gut gefallen, auch wenn es sich an der einen oder anderen Stelle gezogen hat. Aber ganz ehrlich: So spannend wie wir uns den Betrieb eines Buchladens zum Teil vorstellen, ist es einfach auch nicht immer. An vielen Tagen ist kaum was los und vor dem Hintergrund des immer größer werdenden Einflusses von Amazon sind finanzielle Schwierigkeiten an der Tagesordnung. Heißt konkret: Die meisten Tage laufen einfach sehr ähnlich ab, weswegen das Buch nicht ganz so viel Abwechslung bietet wie ein anderes. Trotzdem war es eine schöne Lektüre, die mir in einigen Lesemomenten die Augen geöffnet und mich inspiriert hat.

Habt ihr Shaun Bythells Tagebuch eines Buchhändlers schon gelesen?

Eure Sybi

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