Meine Doku- und Serien-Tipps für Netflix und Amazon

TV an, im Wohnzimmer verbarrikadieren und nichts anderes mehr tun als die Lieblingsserie schauen. Ja, ich gebe es zu: So geht es mir manchmal nach einer Arbeitswoche. So gern ich unter Menschen bin, so sehr brauche ich zwischendurch auch einfach meine Ruhe und möchte nichts und niemanden sehen. Kein Wunder, dass ich nach den Klassikern wie Game Of Thrones oder Suits irgendwann an dem Punkt angelangt bin, das komplette Angebot von Netflix und Amazon durchforsten zu müssen, um nicht auf dem Trockenen zu sitzen. Was ich gefunden habe, war toll – mehr als toll. Und gerade deshalb möchte ich diese Tipps mit euch teilen.

This Is Us (Amazon Prime)

Ich beginne mit meiner absoluten Lieblingsserie momentan: This Is Us. Als sie mir von einigen Arbeitskollegen empfohlen wurde, habe ich mir zuerst online die Inhaltsangabe durchgelesen und war alles andere als angetan. Hatte ich wirklich Lust, eine Familie über mehrere Generationen hinweg zu begleiten? Eigentlich nicht. Trotzdem gab ich der Serie eine Chance und ja, es gab Zeiten, da wünschte ich mir, ich hätte sie niemals entdeckt. Nicht, weil sie schlecht ist, nein. Sondern weil sie mich von Folge zu Folge jedes Mal aufs Neue zerstört.

Wir begleiten hier die Pearsons: Rebecca, Jack, Kevin, Kate und Randall, allesamt absolut liebenswürdige Charaktere, mit denen wir leiden, mitfiebern und uns freuen. Selten habe ich eine Serie geprägt von so viel Tiefe und Menschlichkeit gesehen, die mich bei jeder Folge zum Nachdenken bringt. Warum sie mich so trifft? Vielleicht deshalb, weil ich mich an so vielen Stellen mit den Gedanken und Lebenssituationen der Protagonisten identifizieren kann. Ich möchte hier sogar behaupten, dass sich jede(r) Einzelne dort draußen an der einen oder anderen Stelle selbst wiederfindet.

Wir erkennen, wie uns das Verhalten unserer Eltern den Rest unseres Lebens prägt. Wie wir die exakt gleichen Dinge falsch machen, von denen wir in jungem Alter doch fest davon überzeugt waren, dass wir niemals so handeln würden. Unser Ziel, alles richtig zu machen und ein harmonisches Miteinander mit unserer Familie zu erreichen wird beschattet von Missverständnissen: Das Gefühl des Nicht-Verstanden-Werdens führt zu Frustration, Wut und zwangsläufig zu Auseinandersetzungen mit den Personen, die wir am meisten lieben. Denken wir daran, Streits beizulegen, den wichtigen Menschen regelmäßig zu sagen, wie viel sie uns bedeuten, ehe es zu spät ist?

Diese Serie bombardiert mich jedes Mal mit Fragen wie dieser an mich selbst, die mich verunsichern und mein komplettes Handeln überdenken lassen. Für mich ist es zeitweise sehr anstrengend, sie zu schauen, das gebe ich zu, doch ich spreche hier trotzdem meine absolute Empfehlung aus. Abgerundet wird die Serie durch eine erstklassige Besetzung und zahlreiche Mindfuck-Momente, die mich so häufig mit offenem Mund vor dem TV zurücklassen. Den Machern ist hier etwas gelungen, das ganz nah geht. Wie man sich dabei fühlt, wenn man die Serie schaut, kann ich nicht in Worte fassen – das müsst ihr selbst erleben.

Wer zuletzt kocht (Netflix)

Ich liebe Essen. Trotzdem würde ich mir niemals in meinem Leben eine Kochshow ansehen, das kam für mich einfach nie in Frage. Als dann aber mal wieder Seriennotstand herrschte, stieß ich auf „Wer zuletzt kocht“. Naja, probieren kann man es ja mal, oder? Bei der Serie treten zahlreiche Zweier-Teams bestehend aus Chefköchen aus der ganzen Welt gegeneinander an. Jede Folge wartet ein neues „Ländermotto“ auf die Teilnehmenden. Ob USA, Frankreich oder Italien: Es gilt, das beste Nationalgericht zu zaubern. Am Schluss treten nur noch einzelne Köche gegeneinander an, sodass es letztendlich nur einen Gewinner gibt.

Wer nicht direkt in der ersten Runde weiterkommt, muss gegen die anderen Teams mit dem gleichen Schicksal noch einmal antreten und aus einer bestimmten Zutat, die ebenfalls typisch für das entsprechende Land ist, ein bestimmtes Gericht kochen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Das Wichtigste ist, dass die jeweilige Zutat sozusagen „der Star“ des Menüs ist.

Mein Freund und ich hatten direkt ein paar Lieblingsteams, die wir Folge für Folge anfeuerten. Es ist wirklich unfassbar, was man aus Nahrungsmitteln alles zaubern kann und mir hat es sehr gut gefallen, wie jeder Bestandteil absolut wertgeschätzt wurde. Selbst für mich, als jemand, der sonst keinerlei Kochshows schaut, war diese Serie ein absolutes Highlight – auch wenn ich mit dem Ausgang nicht ganz so zufrieden war. Und Vorsicht: Hungrig sollte man die Serie nicht schauen!

Serien und Dokus auf Netflix

Mindhunter (Netflix)

Wie sehr hätte ich mir noch zahlreiche weitere Staffeln von dieser Serie gewünscht? Nach der ersten wollte ich am liebsten direkt weitersuchten und war deshalb entsprechend enttäuscht, dass nach Staffel 1 erstmal Schluss war. Die zweite Staffel ist jedoch für August 2019 angekündigt.

Die Serie spielt im Jahr 1977 und zeichnet sich vor allem durch die aus heutiger Sicht sehr rückständigen Methoden im Bereich der Kriminalpsychologie aus. Die FBI Agenten Holden Ford und Bill Tench möchten daran etwas ändern: Ziel ist es, durch Befragungen von Serienkillern Informationen aus erster Hand zu erhalten und genau zu analysieren, aus welchem Grund die Verbrecher so handelten wie sie es taten. Dies ist verbunden mit zahlreichen Interviews, genauer Beobachtung, einer idealen Auffassungsgabe sowie einer peniblen Dokumentation des Gesehenen und Gehörten.

Holden und Bill sind auf Unterstützung von außen angewiesen, was sich nicht immer als einfach herausstellt. Ihre Arbeit wird kritisch beäugt und deren Erkenntnisse werden nicht von allen Seiten ernst genommen. Ihre ungeheure Motivation und ihr Durchhaltevermögen, die Kriminalpsychologie voranzubringen, sind wahnsinnig spannend zu verfolgen und ich habe mich an der einen oder anderen Stelle dabei ertappt, mich Dinge zu fragen wie: „Wie kann das denn noch nicht klar sein? Das ist doch vollkommen logisch!“.

Doch gerade deshalb würde ich jedem die Serie empfehlen, der in eine andere Zeit reisen möchte und einen Einblick in die Arbeit des FBI von damals erhalten möchte. Die Serie basiert übrigens auf dem Roman „Die Seele des Mörders“ von John Douglas, der Top Profiler des FBI war und zu den Experten der Persönlichkeitserforschung zählt. In dem Buch erzählt er über seine aufregendsten Fälle und seine Arbeit als Profiler, bei der er auch oft an seine Grenzen und Barrieren von außen stieß.

Die härtesten Gefängnisse der Welt (Netflix)

Ich als Thriller Liebhaberin interessiere mich nicht nur für Täter und deren Beweggründe, sondern auch für den Gefängnisalltag überall auf der Welt. Umso besser, dass es dafür nun auch eine mehrteilige Fernsehdokumentation auf Netflix gibt: „Die härtesten Gefängnisse der Welt“ wird von Raphael Rowe und Paul Connolly moderiert, die sich freiwillig in die Einrichtungen einweisen lassen und den Alltag der Gefangenen begleiten sowie die Umstände vor Ort einfangen.

Von Polen über die Philippinen bis Belize sind zahlreiche Orte dabei, die sich durch grauenhafte Umstände in den jeweiligen Gefängnissen auszeichnen. Als Zuschauer erfährt man durch Interviews mit der Gefängnisleitung und den Gefangenen, wie Schwerverbrecher dort behandelt werden und durch welche Regeln der Alltag definiert wird. Während mancherorts die Rehabilitation der Täter eine große Rolle spielt, bleibt sie in anderen Teil der Welt nahezu unberücksichtigt. Mich hat die Dokumentation sehr zum Nachdenken angeregt: Was ist der wirklich richtige Umgang mit Straftätern? Wie haben sie eine Chance, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren? Haben überhaupt alle Verbrecher diese Chance verdient?

Welche Serien, die nicht zu den absoluten Klassikern zählen, schaut ihr gerne? Vielleicht kann ich mir da auch noch den einen oder anderen Tipp abholen.

Fühlt euch gedrückt,

Eure Sybi

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4 comments

  1. Sehr schöne Zusammenstellung und die Netflix Empfehlungen habe ich mir direkt mal notiert. Ich komme nicht viel dazu Serien zu schauen, weil anderes Priorität hat, aber GoT schaue ich aktuell natürlich auch und bin schon etwas traurig wenn es vorbei ist. Große Tipps, abseits dessen was eh schon alle kennen habe ich gar nicht. Aber Sherlock liebe ich aktuell und erwarte die neue Staffel Stranger Things und dann auch irgendwann The Crown. Die Serien habe ich geliebt!

    1. Vielen Dank, Claudia!
      Kann ich sehr gut nachvollziehen, so geht es mir momentan auch. Die einzige Serie, die ich momentan schaue, ist „The Fall“. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, fehlt sie auch in der Aufzählung in diesem Artikel.
      „Stranger Things“ hatte ich angefangen, aber das war leider nicht so meins. Die anderen beiden habe ich mir aber aufgeschrieben, da glaube ich nämlich sehr wohl, dass die was für mich sein könnten.
      Liebe Grüße
      Sybi

  2. Hallo Sybi

    Von den Vorgestellten Serien hab ich nur MINDHUNTER gesehen aber die fand ich auch sehr gelungen. Spannend und wirklich interessant. Kann also auch jedem empfehlen.

    Die Gefängnis – Dokus sind nicht so meins. Und THIS IS US kenn ich gar nicht. Aber wenn es irgendwann mal auf Netflix kommen sollte, dann werd ich sicher rein gucken, denn es wurde mir so oft schon empfohlen.

    Jetzt wünsch ich dir ein entspannten Samstag und bis bald.

    Herzlich
    Alexandra

    1. Hallo Alexandra!
      Da hast du recht: „Mindhunter“ war genial!

      Ich hoffe, du wirst „This is us“ mögen, wenn du es dann mal anschaust. Ich habe die Familie Pearson unheimlich ins Herz geschlossen.

      Liebe Grüße
      Sybi

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